Augenforschung / Trockenes Auge / 2006

Forschung zum trockenen Auge 2006: 32 wichtige Studien am Menschen

Die Forschung prüfte Behandlungen der Meibom-Drüsen-Dysfunktion und anderer Formen der Augentrockenheit. Andere Studien erfassten Beschwerden nach LASIK, beim Tragen von Kontaktlinsen und bei niedriger Luftfeuchtigkeit. Neue Tests und Bevölkerungserhebungen erweiterten das Bild, auch wenn viele Behandlungsstudien klein blieben.

Auge neben einer Kontaktlinse und sanften Luftströmen

Das Jahr 2006 im Überblick

Drei Themen fallen auf:

  • Eine randomisierte Studie zur Meibom-Drüsen-Dysfunktion fand mit Ciclosporin-Tropfen bessere Drüsen- und Lidbefunde, ohne klaren Vorteil bei den Beschwerden gegenüber Tränenersatzmitteln.
  • Eine prospektive LASIK-Studie ergab, dass ein trockenes Auge nach der Operation häufig war, und brachte das Risiko mit der Kurzsichtigkeit vor dem Eingriff und der Tiefe der Laserbehandlung in Verbindung.
  • Studien zum Kontaktlinsentragen, zu Befunden an den Meibom-Drüsen und zu kurzen Fragebögen zum trockenen Auge halfen, Beschwerden mit messbaren Veränderungen des Tränenfilms zu verknüpfen.

Jede verlinkte Überschrift führt zur Studie bei PubMed, auf der Website des Verlags oder auf ihrer DOI-Seite. Diese Seiten sind auf Englisch.

Was die Forschung zeigt

Die überzeugendsten Ergebnisse des Jahres 2006 stammten aus kontrollierten Vergleichen und einer besseren Messung der Befunde des trockenen Auges, doch nur wenige Interventionen zeigten einen klaren, dauerhaften Vorteil bei den Beschwerden. Die Schätzungen für die Bevölkerung schwankten je nach Stichprobenauswahl und diagnostischen Regeln stark, und frühe Biomarker-Befunde blieben erkundend.

Behandlungen und Erhalt der Tränen

Randomisierte Studien verglichen Tropfen, Nahrungsergänzungsmittel und die Versorgung rund um LASIK oder das Tragen von Kontaktlinsen. Unkontrollierte Serien untersuchten Serumtropfen, Steroid-Tropfen und Eingriffe an den ableitenden Tränenwegen bei ausgewählten Patienten.

  1. Ciclosporin besserte die Befunde der Meibom-Drüsen, die Beschwerden aber nicht eindeutig

    33 Menschen mit symptomatischer Meibom-Drüsen-Dysfunktion wurden per Zufall für drei Monate Ciclosporin 0,05 % zweimal täglich oder konservierungsmittelfreien Tränenersatzmitteln zugeteilt; 26 schlossen die Nachbeobachtung ab. Verstopfte Drüsen, mehrere Lidbefunde und die Hornhautanfärbung besserten sich mit Ciclosporin stärker, der Unterschied bei den Beschwerden war aber statistisch nicht signifikant. Die geringe Zahl derer, die die Studie abschlossen, schränkt das Vertrauen in den klinischen Nutzen ein.

  2. Warme, feuchte Luft war bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion vielversprechend

    Forscher prüften zunächst eine zehnminütige Behandlung mit warmer, feuchter Luft bei 15 Menschen mit Meibom-Drüsen-Dysfunktion und 20 Kontrollpersonen und verglichen dann eine zweiwöchige, zweimal tägliche Anwendung bei 10 Patienten mit warmen Handtuchkompressen bei 10 anderen. Die Tränenfilmaufreißzeit besserte sich in der Gerätegruppe, nicht aber in der Handtuchgruppe, und die Dicke der Lipidschicht nahm mit dem Gerät stärker zu. Der kleine Vergleich, für den keine zufällige Zuteilung berichtet wurde, kann keinen dauerhaften Vorteil gegenüber üblichen warmen Kompressen belegen.

  3. Serumtropfen besserten nach LASIK einige Tränenmesswerte

    Eine randomisierte Studie begleitete 27 Männer nach LASIK und verglich sechs Monate lang Eigenserum-Tropfen mit Tränenersatzmitteln. Die Tränenfilmaufreißzeit nach sechs Monaten und die Bengalrosa-Anfärbung nach einem und drei Monaten fielen mit Serum besser aus, während sich Angaben zur Trockenheit, Schirmer-Werte und Fluorescein-Anfärbung nicht eindeutig unterschieden. Die Stichprobe operierter Männer war klein, und die Ergebnisse belegen keinen Nutzen bei anderen Formen des trockenen Auges.

  4. Ciclosporin rund um die LASIK besserte die refraktive Genauigkeit, nicht die angegebene Trockenheit

    In einer doppelblinden, randomisierten Studie wendeten 21 Patienten, die bereits ein trockenes Auge hatten, ab einem Monat vor der LASIK und auch danach Ciclosporin oder konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel an. Die Augen der Ciclosporin-Gruppe lagen nach drei und sechs Monaten näher am angestrebten refraktiven Ziel, Beschwerdewerte und Hornhautanfärbung unterschieden sich zwischen den Gruppen aber nicht signifikant. Die kleine chirurgische Studie sollte nicht als Beleg für eine allgemeinere Linderung der Beschwerden des trockenen Auges gelesen werden.

  5. Ein liposomales Lidspray schlug in einer Crossover-Studie ein lipidhaltiges Augengel

    Eine randomisierte, multizentrische Crossover-Studie teilte 74 Patienten mit trockenem Auge durch eine gestörte Lipidschicht je sechs Wochen einem liposomalen Spray, das auf die geschlossenen Lider aufgetragen wird, und einem triglyceridhaltigen Augengel zu, in entgegengesetzter Reihenfolge. Tränen- und Lidmesswerte sowie die Vorliebe der Patienten sprachen in beiden Behandlungsphasen für das Spray. Der Vergleich nutzte zwei wirksame Produkte und kein Scheinspray, sodass er keinen Nutzen gegenüber keiner Behandlung belegen kann.

  6. Das mit Ciclosporin kombinierte Tränenersatzmittel veränderte die Studienergebnisse

    61 Patienten wurden per Zufall für sechs Monate Ciclosporin mit einem von zwei Tränenersatzmitteln oder einem Tränenersatzmittel allein zugeteilt. Ciclosporin zusammen mit Systane besserte die Hornhautanfärbung und mehrere angegebene Beschwerden stärker als Ciclosporin zusammen mit Refresh Tears, während Schirmer- und Bindehautmesswerte keine klaren Unterschiede zeigten. Wegen mehrerer produktspezifischer Vergleiche in einer überschaubaren Studie betrifft das Ergebnis die Frage nach den begleitenden Tropfen und ist keine allgemeine Schätzung des Nutzens von Ciclosporin.

  7. Ein Fettsäurepräparat verfehlte die meisten Vergleiche zwischen den Gruppen

    In einer sechsmonatigen doppelblinden Studie erhielten 71 Patienten mit leichtem bis mittelschwerem trockenem Auge Kapseln mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren oder ein Placebo. Tränentests und Bewertungen der Patienten unterschieden sich insgesamt nicht signifikant zwischen den Gruppen, auch wenn sich zwei ausgewählte Befunde besserten. Die grenzwertigen und gemischten Befunde erfordern eine größere bestätigende Studie, bevor sich eine Schlussfolgerung zur Behandlung ziehen lässt.

  8. Nabelschnurserum-Tropfen waren in einer unkontrollierten Serie vielversprechend

    31 Patienten mit schwerem trockenem Auge wendeten zwei Monate lang Tropfen aus Nabelschnurserum an, während die Forscher Beschwerden, Tränentests, Anfärbung und Bindehautzellen verfolgten. Beschwerden, Aufreißzeit, Hornhautanfärbung und Zellmesswerte besserten sich gegenüber dem Ausgangswert, Schirmer-Ergebnisse und Hornhautsensibilität dagegen nicht. Ohne Vergleichsgruppe kann die Studie die Wirkung der Tropfen nicht von anderen Veränderungen im Lauf der Zeit trennen.

  9. Eine Pilotstudie zu Ciclosporin bei Kontaktlinsen fand bessere Angaben zur Trockenheit

    17 Kontaktlinsenträger mit Trockenheitsgefühl wurden per Zufall für fünf Wochen Ciclosporin oder Benetzungstropfen für Kontaktlinsen zugeteilt, wobei die Untersucher die Zuteilung nicht kannten. Angaben zur Trockenheit und die Anfärbung der schläfenseitigen Bindehaut fielen mit Ciclosporin besser aus, der Unterschied bei der Tragezeit der Linsen war aber statistisch nicht signifikant. Die Stichprobe war zu klein und die Nachbeobachtung zu kurz, um zu klären, ob die Behandlung die langfristige Verträglichkeit der Linsen verbessert.

  10. Ein zähflüssiges Tränenersatzmittel verringerte die Anfärbung über eine Woche stärker

    Nach einem ersten Komfortvergleich an beiden Augen wurden die Patienten per Zufall für eine Woche Carboxymethylcellulose oder einem Benetzungsmittel mit Propylenglykol und Polyethylenglykol zugeteilt. Die Anfärbung der unteren Hornhaut und der schläfenseitigen Bindehaut fiel mit Carboxymethylcellulose besser aus, und im ersten Vergleich bevorzugten mehr Patienten dieses Präparat. Die kurze, produktspezifische Studie zeigt nicht, ob eines der beiden Präparate einen dauerhaften Vorteil hat.

  11. Ergebnisse mit Steroid-Tropfen waren ermutigend, aber unkontrolliert

    30 Patienten, deren mittelschweres oder schweres trockenes Auge nicht auf Tränenersatzmittel angesprochen hatte, wendeten einen Monat lang Fluorometholon-Tropfen 0,1 % an. Angegebene Beschwerden und klinische Tests besserten sich gegenüber dem Ausgangswert, es gab aber keine unbehandelte Gruppe und keine Gruppe mit einer anderen Behandlung. Die kurze Nachbeobachtung kann zudem weder die längerfristige Sicherheit noch die Wirksamkeit der Steroide belegen.

  12. Die Unterbindung der Tränenkanälchen linderte die Beschwerden in einer chirurgischen Fallserie

    Chirurgen werteten rückblickend 59 Unterbindungen der ableitenden Tränenkanälchen bei 29 Patienten mit schwerem trockenem Auge aus, bei einer mittleren Nachbeobachtung von 20 Monaten. 91 % der Patienten berichteten über eine Besserung; bei zweien trat später störendes Tränenträufeln auf, und die Unterbindung wurde erfolgreich rückgängig gemacht. Ohne Vergleichsgruppe und ohne standardisierte Erfassung der Beschwerden bleibt die Schätzung des Nutzens unsicher.

Beschwerden, Operationen, Kontaktlinsen und Sehfunktion

Prospektive Studien und Querschnittsstudien brachten das trockene Auge mit refraktiver Chirurgie, Eigenschaften von Kontaktlinsen, Sehqualität und der allgemeineren Belastung durch Sicca-Beschwerden in Verbindung.

  1. Trockenes Auge nach LASIK hing mit einer tieferen Behandlung zusammen

    Eine prospektive Studie teilte 35 kurzsichtige Patienten per Zufall einer LASIK mit nasal oder oben gelegenem Flap-Scharnier zu und beobachtete sie sechs Monate lang. Ein über die Fluorescein-Anfärbung der Hornhaut definiertes trockenes Auge war in der frühen Zeit nach der Operation häufig; eine stärkere Kurzsichtigkeit vor dem Eingriff und ein tieferer Laserabtrag gingen mit einem höheren Risiko einher. Die Studie war klein, und ihre auf der Anfärbung beruhende Definition erfasst nicht die Beschwerden jedes Patienten.

  2. Trockenheit beim Kontaktlinsentragen hing mit Tränenfilm und Linsenmerkmalen zusammen

    Eine Querschnittsstudie nahm 415 Kontaktlinsenträger auf und wertete 360 mit verwertbaren Daten aus; sie verband die selbst berichtete linsenbedingte Trockenheit mit Messungen zu Tränen, Linsen und Gesundheit. Die Trockenheit hing unter anderem mit weiblichem Geschlecht, höherem Wassergehalt der Linsen, schnellerer Ausdünnung des Tränenfilms und höherer Tränenosmolarität zusammen. Der selbst berichtete Status und das Querschnittsdesign lassen keine ursächliche Aussage über ein einzelnes Linsenmerkmal zu.

  3. Das trockene Auge verringerte in einer Fall-Kontroll-Studie die Kontrastempfindlichkeit

    Forscher prüften die Kontrastempfindlichkeit mit und ohne Blendung bei 33 Patienten mit trockenem Auge und 30 Kontrollpersonen. Die Gruppe mit trockenem Auge schnitt bei den meisten Sehzeichengrößen schlechter ab, der zusätzliche, speziell durch Blendung verursachte Verlust unterschied sich aber nur bei einer Sehzeichengröße signifikant. Dieser kleine Vergleich an einem einzelnen Zentrum maß die Sehfunktion und nicht Tätigkeiten im wirklichen Leben.

  4. Patienten mit Sjögren-Syndrom und mit nicht autoimmunen Sicca-Beschwerden berichteten über ähnliche Belastungen

    Eine prospektive Querschnittsstudie verglich 111 Menschen mit primärem Sjögren-Syndrom mit 65 Menschen, die Sicca-Beschwerden, aber keine Zeichen einer Autoimmunerkrankung hatten. Schmerzen, Müdigkeit, Trockenheit, Lebensqualität und psychologische Maße waren in beiden Gruppen ähnlich, während Schmerzen und Müdigkeit enger mit der Lebensqualität zusammenhingen als die Angaben zur Trockenheit. Die ausgewählten Gruppen einer Spezialklinik und die einmalige Erhebung können nicht klären, warum ihre Beschwerden entstanden sind.

Fragebögen, Tränentests und Biologie der Augenoberfläche

Mehrere Gruppen prüften schnellere Wege, Veränderungen der Tränen zu messen, oder untersuchten Marker der Augenoberfläche. Die meisten waren frühe Validierungsstudien in ausgewählten Gruppen und keine fertigen diagnostischen Standards.

  1. Drei kurze Fragen erkannten viele klinische Fälle von trockenem Auge

    Ein kurzer Fragebogen zu Trockenheit, Reizung und früherer Diagnose wurde in großen Kohorten von Frauen und von Ärzten geprüft, mit längeren Befragungen in ausgewählten Teilgruppen und klinischen Untersuchungen bei 53 Teilnehmern. Gemessen an der auf Tränentests beruhenden Definition der Studie hatte er eine Sensitivität von 77 % und eine Spezifität von 83 %, und wiederholte Antworten waren recht beständig. Die klinische Validierung umfasste nur 53 Personen, sodass sich die Zahlen möglicherweise nicht auf andere Umgebungen oder Definitionen übertragen lassen.

  2. Die Marx-Linie hing mit Befunden der Meibom-Drüsen zusammen

    Forscher bewerteten bei 251 Menschen die Lage einer mit Fluorescein angefärbten Linie entlang des Unterlids und verglichen 15 Patienten mit Meibom-Drüsen-Dysfunktion mit 15 gleichaltrigen Kontrollpersonen. Die Werte stiegen mit dem Alter und korrelierten mit Befunden der Drüsenbildgebung und des Sekrets; die Gruppe mit Dysfunktion hatte höhere Werte. Diese Beobachtungsarbeit legt ein schnelles klinisches Zeichen nahe, belegte aber nicht die diagnostische Genauigkeit in einer breiten Population mit Beschwerden.

  3. Ein Streifentest von fünf Sekunden spiegelte Veränderungen des Tränenmeniskus wider

    Eine prospektive Studie verglich die Streifen-Meniskometrie bei 50 Patienten mit trockenem Auge und 40 Kontrollpersonen mit Tränenfilmstabilität, Anfärbung und Schirmer-Test. Die Streifenwerte folgten mehreren anderen Messgrößen und veränderten sich in der Patientengruppe nach dem Verschluss der Tränenpünktchen. Die ausgewählten Gruppen und das Fehlen einer unabhängigen Validierungsstichprobe lassen ihren eigenständigen diagnostischen Wert offen.

  4. Eine Videokartierung erfasste die Fläche des aufgerissenen Tränenfilms

    Forscher filmten bei 10 Menschen mit trockenem Auge und 10 Kontrollpersonen das längere Offenhalten der Augen nach Fluorescein-Gabe und berechneten dann die Fläche der freiliegenden Hornhaut, auf der der Tränenfilm aufgerissen war. Die Aufreißfläche war in der Gruppe mit trockenem Auge größer, während die Gruppenunterschiede bei der herkömmlichen Aufreißzeit und beim längsten Lidschlagintervall statistisch nicht eindeutig waren. Die Stichprobe war klein, und das längere Starren unterscheidet sich vom gewöhnlichen Blinzeln.

  5. Die CCR5-Expression war auf Bindehautzellen beim trockenen Auge höher

    Zellproben der Bindehaut von 45 Patienten mit trockenem Auge durch Tränenmangel oder durch verstärkte Verdunstung und von 15 Kontrollpersonen wurden auf den Entzündungsrezeptor CCR5 untersucht. Die Expression war in beiden Gruppen mit trockenem Auge höher, und eine kleinere molekulare Analyse wies in dieselbe Richtung. Das Querschnittsergebnis zeigt einen Zusammenhang, keinen validierten diagnostischen Marker und kein nachgewiesenes Behandlungsziel.

  6. Nukleotide in den Tränen stiegen mit Beschwerden und mechanischer Reizung

    Bei 97 Teilnehmern, aufgeteilt in Gruppen mit Beschwerden, Kontrollgruppen und Gruppen mit Reizung, maßen Forscher zwei Diadenosinpolyphosphate in gesammelten Tränen. Die Werte waren in den Gruppen mit symptomatischem trockenem Auge höher und stiegen auch bei erzwungenem Blinzeln oder Reizung der Hornhaut. Da normale mechanische Aktivität dieselben Moleküle veränderte, kann diese Studie allein sie nicht als spezifische Biomarker des trockenen Auges belegen.

  7. Das trockene Auge bei Sjögren-Syndrom zeigte mikroskopische Schäden der Bindehautoberfläche

    Bindehautbiopsien von acht Patienten mit Sjögren-Syndrom und sieben Kontrollpersonen wurden elektronenmikroskopisch untersucht. Die Sjögren-Gruppe hatte weniger und kürzere epitheliale Mikrovilli, weniger Sekretvesikel und eine weniger gut sichtbare Glykokalyx an der Oberfläche. Dieser sehr kleine Gewebevergleich kann nicht klären, ob diese Veränderungen das trockene Auge verursachen oder daraus folgen.

Häufigkeit, Begleiterkrankungen und Umgebung

Befragungen und klinische Vergleiche untersuchten, wie sich das trockene Auge oder Sicca-Befunde mit Alter, Ort, Rauchen, Autoimmunerkrankungen, Hormonen und Luftfeuchtigkeit veränderten. Stichprobenauswahl und Falldefinitionen prägten einige Schätzungen stark.

  1. Eine Untersuchungsstichprobe in Bangkok berichtete über häufige Trockenheitsbeschwerden

    Forscher befragten und untersuchten 550 Erwachsene ab 40 Jahren, die zur jährlichen Augenkontrolle in ein Krankenhaus in Bangkok kamen. 34 % gaben häufige Beschwerden des trockenen Auges an, und eine Erkrankung der Meibom-Drüsen hing mit Beschwerden oder auffälligen Tränentests zusammen. Freiwillige an einem einzelnen Krankenhaus sind keine Zufallsstichprobe der Stadt, und Beschwerden allein bedeuten keine bestätigte Erkrankung.

  2. Befunde des trockenen Auges waren bei ausgewählten älteren Japanern häufig

    Eine Studie mit 113 japanischen Rentnern ab 60 Jahren nutzte Beschwerden, Tränentests, Anfärbung und Liduntersuchung, um die japanischen Kriterien für das trockene Auge anzuwenden. Fast drei Viertel erfüllten die Studiendefinition, und Veränderungen der Meibom-Drüsen gingen häufig mit einem instabilen Tränenfilm einher. Die kleine, ausgewählte Gruppe trägt keine Häufigkeitsschätzung für alle älteren Erwachsenen in Japan.

  3. Raucher hatten schlechtere Lipidmuster des Tränenfilms als Nichtraucher

    Forscher verglichen 60 Raucher mit 34 gesunden Nichtrauchern anhand von Tests der Augenoberfläche und einer Bildgebung der Tränenlipide. Raucher zeigten häufiger eine gestörte Ausbreitung der Lipidschicht, während sich Schirmer-Werte und Becherzelldichte nicht signifikant unterschieden. Der nicht randomisierte Vergleich kann das Rauchen nicht von anderen Unterschieden zwischen den Gruppen trennen.

  4. Sicca-Beschwerden bei systemischer Sklerose hatten oft andere Ursachen als ein Sjögren-Syndrom

    Eine prospektive Serie an zwei Zentren untersuchte 133 Patienten mit systemischer Sklerose auf Trockenheit und, wenn angezeigt, auf Veränderungen der Speicheldrüsen. 68 % hatten Sicca-Beschwerden, aber nur 14 % erfüllten die Kriterien eines begleitenden Sjögren-Syndroms; eine Fibrose der Drüsen war häufig. Diese Studie aus der spezialisierten Versorgung schloss Mund- wie Augentrockenheit ein und kann für sich die Häufigkeit des trockenen Auges nicht schätzen.

  5. Die Häufigkeit des Sjögren-Syndroms änderte sich je nach verwendeten Kriterien erheblich

    Eine zweistufige Erhebung bei erwachsenen Frauen in Izmir in der Türkei verband ein Beschwerde-Screening mit Bluttests, Augen- und Speicheltests und ausgewählten Biopsien. Die geschätzte Prävalenz des primären Sjögren-Syndroms lag nach den älteren europäischen Kriterien bei 1,56 % und nach den späteren amerikanisch-europäischen Kriterien bei 0,72 %. Das sind Schätzungen für das Autoimmunsyndrom bei Frauen, nicht für die Häufigkeit des trockenen Auges selbst.

  6. Geringere Luftfeuchtigkeit erhöhte die Verdunstung der Tränen bei Patienten und Kontrollpersonen

    Eine Evaporometrie-Studie verglich 18 Patienten mit Keratoconjunctivitis sicca und 11 Kontrollpersonen bei höherer und niedrigerer relativer Luftfeuchtigkeit. Die Verdunstung der Tränen stieg in allen Gruppen stark an, wenn die Luftfeuchtigkeit sank, während die Unterschiede zwischen den Gruppen statistisch nicht signifikant waren. Die kontrollierte Messung zeigte nicht, wie stark sich die Beschwerden bei alltäglicher niedriger Luftfeuchtigkeit ändern würden.

  7. Niedrigere Androgenspiegel hingen speziell mit dem drüsenbedingten trockenen Auge zusammen

    Eine prospektive Fall-Kontroll-Studie maß die Androgene im Blut in gleich großen Gruppen mit drüsenbedingtem trockenem Auge, mit nicht drüsenbedingtem trockenem Auge und ohne trockenes Auge. Das bioverfügbare Testosteron und verwandte Hormonwerte waren in der Gruppe mit Meibom-Drüsen-Dysfunktion niedriger, während sich die Gruppe ohne Drüsenbeteiligung nicht eindeutig von den Kontrollpersonen unterschied. Da Hormone und Augenbefunde zu einem einzigen Zeitpunkt gemessen wurden, kann die Studie nicht zeigen, dass die Veränderungen der Androgene die Drüsenerkrankung verursacht haben.

  8. Patienten mit rheumatoider Arthritis hatten häufiger auffällige Tränentests

    Eine indische Krankenhausstudie verglich 84 Erwachsene mit rheumatoider Arthritis mit 84 nach Alter und Geschlecht passend ausgewählten Kontrollpersonen. Niedrige Schirmer-Werte und eine kurze Tränenfilmaufreißzeit waren in der Arthritis-Gruppe häufiger, auch wenn die Beschwerden nicht eng mit den Tests zusammenhingen. Der Querschnittsvergleich aus einer Klinik klärt weder den Mechanismus noch beschreibt er das Risiko in der Allgemeinbevölkerung.

  9. Das Altern hing mit Veränderungen der menschlichen Meibom-Lipide zusammen

    Forscher gewannen Meibom-Sekret von jüngeren und älteren Männern und Frauen und untersuchten dessen Lipidprofile per Chromatografie und Massenspektrometrie. Ältere Teilnehmer zeigten andere Lipidmuster und trübere Sekrete, wobei einige Veränderungen je nach Geschlecht unterschiedlich ausfielen. Die Befunde bieten einen plausiblen Weg zu altersbedingten Problemen des Tränenfilms, dieser Vergleich zeigte aber nicht, dass die Lipidveränderungen ein trockenes Auge verursachten.